Veröffentlichung in “Gesund leben heute” 1/2009

Über die Kniescheibenverrenkung (Patellaluxation) – Kniescheibenschmerzen bei Instabilität

Die Kniescheibenverrenkung ist eine Erkrankung bei der die Kniescheibe (Patella) aus ihrer Führung (dem Knieschiebengleitlager) springt. Dabei bewegt sich die Kniescheibe oft spontan wieder in ihre Ursprungsstellung zurück. Die Folge der Instabilität sind Sportunfähigkeit, Schmerzen um die Kniescheibe herum und Verlust der adäquaten Teilhabe am Leben.
Die Ursachen dieser Erkrankung liegen oft in angeborenen anlagebedingten Fehlformen des Kniescheibengleitlagers oder der knöchernen Form der Kniescheibe selbst. Dabei spielt auch die Beinachse und die Insertion der Kniescheibensehne mit möglichen Rotationsfehlstellungen eine entscheidende pathogenetische Rolle. In der Regel luxiert (verrenkt) sich die Kniescheibe bei fast vollständiger Streckung bei Sportarten wie Fußball, Handball oder Basketball aber auch bei Tennis und vergleichbaren Sportarten ohne große äußere Krafteinwirkung.
Die unfallbedingten Auswirkungen der Verrenkung spiegeln sich in einem Gelenkerguss, also Flüssigkeit im Gelenk wieder, der oft blutig ist und punktiert werden muss. Es kommt in nahezu jedem Fall der Erstluxation zu einer Zerreißung des medialen Patellofemoralen Bandes (MPFL), von dem bis vor wenigen Jahren noch wenig bekannt war. Durch die Zerreißung oder Dehnung dieses Bandes hat die Kniescheibe keinen festen Sitz mehr in ihrer angestammten Position.
Die Erstbehandlung besteht in einer zügigen Reposition (Wiedereinrenken) der Kniescheibe, ggf. in Narkose. Dadurch reduziert sich die Schädigung des Gelenkknorpels. Die weitere Diagnostik sollte immer neben einer gründlichen Untersuchung des Kniegelenkes eine Röntgenuntersuchung beinhalten. Heute wird auch – gerade bei Jugendlichen – eine MRT (Kernspintomographie) gefordert Begleitverletzungen zu erkennen und eine Operationsplanung vornehmen zu können.
Entgegen der gängigen Lehrmeinung sollte keine seitliche Kniescheibenentfesselung (lateral release) mehr vorgenommen werden. Das haben aktuelle Studien klar ergeben. Ggf. reicht aber eine Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) mit Raffung der medialen Kapsel (minimal invasiv) aus, um zukünftige Kniescheibenverrenkungen zu verhindern.
Sollte sich dabei keine ausreichende Festigkeit der Kniescheibe einstellen, empfehlen wir als Gelenkzentrum der OCP (Orthopädisch Chirurgischen Gemeinschaftpraxis) Darmstadt (www.ocp-darmstadt.de)  eine MPFL Rekonstruktion. Dabei wird mit einer Sehne aus dem Oberschenkel, das mediale patellofemorale Ligament (Band), ein Halteband der Patella, rekonstruiert und meist mit einer Bioschraube (die sich von selber auflöst) und 2 Bioankern in der Kniescheibe fixiert.  Die Kniescheibe wird dadurch gehalten.  Diese Operationsmethode wird bis jetzt nur an wenigen Kliniken in Deutschland durchgeführt. In der Technik der Sehnenentnahme ist sie der modernen Kreuzbandchirurgie gleich und einfach durchzuführen.
Wobei beim Kreuzbandersatz die sogenannte Semitendinosussehne genommen wird. Bei der MPFL Rekonstruktion reicht die kleinere Gracilissehne aus, so dass auch später noch vom selben Knie ein Kreuzbandersatz möglich bleibt.
Ich habe diese Operationsmethode  von Dr. Schöttle im Klinikum rechts der Isar in München gelernt und führe sie seit >  2 Jahren erfolgreich durch. Sie sollte allerdings erst nach Wachstumsabschluß  durchgeführt werden.
Ist auch das Kniescheibengleitlager sehr flach, würde ich zu einer Trochleaplastik (ist das Gleitlager dysplastisch, d.h. zu flach ausgeprägt, begünstigt dies Luxationen) raten. Bei dieser OP-Methode formt man operativ ein neues Kniescheibengleitlager. Gerne beraten wir sie in unserer Kniesprechstunde.

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Dr. med. Björn Erben, Facharzt für Chirurgie mit den Zusatzbezeichnungen Notfallmedizin, Sportmedizin, Chirotherapie

Artikel veröffentlicht in www.gesund-leben-heute.de 1/2009

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  1. erlend

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